Geldpersönlichkeit: 4 Seiten, 6 Typen, Streit ums Geld
Redaktion von Type of You14 Min. Lesezeit

Das Wichtigste
- Die Geldpersönlichkeit ist die Summe aus deinen Gedanken über Geld, deinen Gefühlen dabei und deinem Alltagsverhalten. Die drei Schichten passen nicht immer zusammen.
- Die Psychologie erforscht Geldeinstellungen seit den 1980er-Jahren. Häufige Dimensionen sind Status, Zurückhalten, Misstrauen und Angst sowie der Schmerz beim Bezahlen.
- Viel sparen und viel Angst haben sind zwei getrennte Achsen: Wer diszipliniert spart und dabei ruhig bleibt, wird im Test Schrebergärtner und nicht Eichhörnchen.
- Streit ums Geld wiederholt sich und bleibt öfter ungelöst als andere Konflikte. Paare vergleichen am besten erst die vier Seiten und legen dann Regeln für die Kosten fest.
- Text und Test sind keine Anlageberatung. Bei Schulden hilft eine Schuldnerberatung, bei Anlagebetrug die BaFin und die Polizei, bei Überforderung die TelefonSeelsorge.
Deine Geldpersönlichkeit ist die Summe aus dem, was du über Geld denkst, was du dabei fühlst und wie du im Alltag damit umgehst: ob Geld für dich Sicherheit, Freiheit, Ansehen oder Ärger bedeutet, ob es dir durch die Finger rinnt oder liegen bleibt, ob dich ein Blick auf die Abrechnung beruhigt oder zum Wegsehen bringt. Eine „richtige“ Einstellung zu Geld gibt es nicht. Die Forschung fragt eher, wie weit dein tatsächlicher Umgang von dem entfernt ist, den du dir wünschst. Hier wird die Geldpersönlichkeit in vier Seiten zerlegt: Ausgeben, Sparen, Wagen und Sorgen. Dazu kommt, was die Psychologie tatsächlich misst, wie die 6 Geldtypen des Tests zustande kommen und wie Paare über Geld reden können.
Geldpersönlichkeit: Denken, Fühlen und Handeln liegen übereinander
Die Geldpersönlichkeit besteht aus drei Schichten: dem, was du über Geld denkst, dem, was du dabei fühlst, und dem, was du tatsächlich tust. Bei ein und derselben Person passen diese drei oft nicht zusammen.
Ein Beispiel: Du sagst „Hauptsache, es reicht“, das ist die Haltung. Dann meldet die Banking-App eine neue Abbuchung, und in der Brust wird es kurz eng, das ist das Gefühl. Und am letzten Wochenende vor dem Gehalt lässt du dich doch noch zum Feierabendbier und zur nächsten Kneipe überreden, das ist das Verhalten. Viele halten ihre „Einstellung zu Geld“ für kaputt. Meist streiten sich nur die drei Schichten, und keine davon ist besonders schlecht.
Für dasselbe Thema gibt es mehrere Begriffe, die ähnlich klingen und Unterschiedliches betonen:
| Begriff | Wo man ihn findet | Worauf er zielt |
|---|---|---|
| Einstellung zu Geld | Alltagssprache, Medien | Die Haltung zu Geld insgesamt |
| Umgang mit Geld | Ratgeber, Finanzportale | Sparen und Anlegen als Stil |
| Geldpersönlichkeit, Geldtyp | Tests, Ratgeberbücher | Menschen in Typen einteilen |
| Geldskript (money script) | Studien von Klontz u. a. | Früh gelernte, oft unbemerkte Überzeugungen |
Häufig fällt die Frage nach der „gesunden Einstellung zu Geld“. Listen im Netz nennen meist: sparen, investieren, Bedarf von Wunsch trennen. Das ist nicht falsch, geht aber davon aus, dass alle zu viel ausgeben. Die Konsumforschung liefert einen faireren Maßstab. Rick, Cryder und Loewenstein (2008) ließen 13.327 Personen ihre Ausgabegewohnheiten einschätzen. Manche gaben mehr aus, als sie selbst für ideal hielten (spendthrifts, Verschwender). Andere gaben weniger aus, weil Bezahlen für sie zu sehr wehtut (tightwads, Knauser). Beide Abstände belasten. Ob deine Einstellung stimmt, zeigt sich also daran, ob dein heutiger Umgang mit Geld dich zu den Zielen trägt, die dir wichtig sind, und ob du dabei ruhig schläfst.

Wie erforscht die Psychologie den Umgang mit Geld? Von Skalen zu Geldskripten
Die Psychologie erforscht Geldeinstellungen seit mehr als vierzig Jahren mit Fragebögen, und verschiedene Teams finden ähnliche Dimensionen: Geld als Status, der Wunsch, es zu behalten, Misstrauen und Angst, dazu der Schmerz beim Bezahlen.
Am frühesten breit zitiert wurde die Money Attitude Scale von Yamauchi und Templer (1982). Sie schrieben 62 Aussagen aus der klinischen und theoretischen Literatur, fanden per Faktorenanalyse fünf Faktoren und stellten aus vieren davon eine Skala mit 29 Aussagen zusammen: Macht und Prestige (Geld nutzen, um andere zu beeinflussen und Status zu zeigen), Zurückhalten und Zeit (für die Zukunft vorsorgen), Misstrauen (Geld nur ungern ausgeben) und Angst. Zwei Jahre später entwickelte Furnham (1984) mit mehr als 250 Befragten unterschiedlicher Herkunft einen Fragebogen mit 60 Aussagen und sechs Faktoren: Fixierung, Macht, Zurückhalten, Sicherheit, Gefühl des Mangels sowie Anstrengung und Fähigkeit. Alter, Bildung und die Überzeugung von der Arbeitsethik unterschieden die Einstellungen zu Geld am besten.

In den letzten Jahren spielen die Geldskripte von Klontz u. a. (2011) eine große Rolle. Sie legten 422 Personen 72 Aussagen zu Geld vor, die aus Fällen der Finanztherapie stammen, und fanden vier Skripte:
- Geldvermeidung: Geld gilt als etwas Schlechtes, oder man fühlt sich Geld nicht würdig.
- Geldverehrung: Mit mehr Geld werden alle Probleme gelöst.
- Geldstatus: Der eigene Wert wird an den Besitz gekoppelt.
- Geldwachsamkeit: Vorsicht, Zurückhaltung und die Neigung, Geld zurückzulegen.
Die ersten drei hingen mit einem niedrigeren Einkommen zusammen, Vermeidung und Verehrung außerdem mit einem geringeren Nettovermögen. Wachsamkeit hing damit zusammen, dass die Kreditkarte ohne Restschuld bleibt. Zwei Einschränkungen gehen oft unter: Die Korrelationen sind klein, keine liegt über 0,33. Und die Befragten waren überwiegend weiße, verheiratete Frauen in den USA, mittleren Alters oder älter und mit hoher Bildung. Die Autoren schreiben selbst, dass sich nicht klären lässt, ob die Überzeugungen zu einem niedrigeren Einkommen führen oder ein niedrigeres Einkommen die Überzeugungen formt.
| Studie | Gefundene Dimensionen | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Yamauchi & Templer 1982 | Prestige, Zurückhalten, Misstrauen, Angst | Geld berührt Ansehen und Sicherheit zugleich |
| Furnham 1984 | Fixierung, Macht, Zurückhalten und drei weitere | Alter und Bildung verändern die Einstellung |
| Klontz u. a. 2011 | Vermeidung, Verehrung, Status, Wachsamkeit | Früh gelernte Überzeugungen beeinflussen das Verhalten |
| Rick u. a. 2008 | Zahlungsschmerz hoch oder niedrig | Auch zu wenig ausgeben kann belasten |
Vergleicht man das mit den beliebten Einteilungen im Netz, etwa vier Geldtypen wie Sparer, Genießer, Kämpfer und Vermeider oder sieben Geldwerte, fällt auf: Sie stammen meist aus Ratgebern und Vorträgen. Sie sind leicht zu merken, aber öffentliche Daten zu ihrer Gültigkeit gibt es nicht. Auch dafür, die 16 Persönlichkeitstypen einzeln einem Geldtyp zuzuordnen, findet sich bisher keine Forschung. Als Gesprächsstoff vor dem Spiegel taugen solche Modelle gut, als Urteil nicht.
Die vier Seiten der Geldpersönlichkeit: Ausgeben, Sparen, Wagen, Sorgen
Type of You zerlegt die Geldpersönlichkeit in Kaufimpuls, Spargewohnheit, Risikoappetit und Geldangst. Am häufigsten werden dabei „viel sparen“ und „viel Angst haben“ verwechselt, obwohl sie auf getrennten Achsen liegen.
Der Kaufimpuls schlägt am Zahltag zu, wenn du erst mal den Warenkorb abräumst, der einen Monat lang gewartet hat. Im Späti wolltest du nur Wasser und kommst mit einem Kooperations-Eis wieder heraus. Im Onlineshop steht „Nur noch 3 auf Lager“, und der Finger ist schneller als der Kopf. Der nächste Verwandte in der Forschung ist der Zahlungsschmerz: Wem er kaum wehtut, gibt eher mehr aus als geplant. Rick u. a. (2008) fanden außerdem, dass der Unterschied zwischen beiden Gruppen am größten ist, wenn die Umstände den Schmerz verstärken, und am kleinsten, wenn er abgeschwächt wird. In der Diskussion erwähnen die Autoren, dass Kartenzahlung und Ein-Klick-Kauf das Bezahlen immer weniger schmerzhaft machen. „Jetzt kaufen, später zahlen“ ist unsere eigene Weiterführung derselben Logik. Bei hohem Kaufimpuls lohnt sich der Blick genau auf solche Situationen.

Die Spargewohnheit zeigt sich so: Kaum ist das Gehalt da, geht zuerst ein Betrag auf das Konto, an das nicht gerührt wird. Das Urlaubskonto ist ein halbes Jahr vor der Reise eröffnet. Sie entspricht dem Faktor „Zurückhalten und Zeit“ der Skala von Yamauchi und Templer und liegt nahe an der Geldwachsamkeit von Klontz.
Der Risikoappetit wird sichtbar, wenn in der WhatsApp-Gruppe ein Tipp für eine Anlage auftaucht, die „garantiert nicht schiefgehen kann“. Die einen fragen zuerst nach dem schlimmsten Fall, die anderen zeichnen schon Chartlinien, die dritten steigen einfach ein. Die Finanzforschung nennt das Risikotoleranz (financial risk tolerance). Grable und Lytton (1999) entwickelten dafür ein Instrument mit 13 Fragen, weil sie viele finanzielle Entscheidungen von Haushalten beeinflusst. Ein großer Risikoappetit ist kein Makel, solange du weißt, worauf du setzt. Bei „garantierter Rendite“ und „ohne Verlust“ lohnt sich eine Pause, egal wie groß dein Appetit ist.
Die Geldangst meldet sich, wenn die Kreditkartenabrechnung kommt. Beim Gesamtbetrag setzt das Herz kurz aus, und du wischst schnell weiter. Oder auf dem Konto liegt eigentlich viel, und es fühlt sich trotzdem zu wenig an. Shapiro und Burchell (2012) erfassten finanzielle Angst nicht nur mit Fragebögen, sondern auch mit Reaktionszeitexperimenten. Sie fanden, dass sie sich von Depression und allgemeiner Angst trennen lässt und dass Menschen, die sich selbst als finanziell ängstlich einschätzten, im Experiment die Aufmerksamkeit eher von finanzbezogenen Informationen abwandten. Dazu passt der Vogel-Strauß-Effekt (ostrich effect): Karlsson, Loewenstein und Seppi (2009) werteten Kontodaten aus Norwegen und Schweden aus. Wenn die Börse fiel, schauten Anlegerinnen und Anleger seltener in ihre Konten. Wer sich fürchtet, schaut weniger hin, und wer weniger hinschaut, fürchtet sich mehr. Das ist bei vielen Menschen der anstrengendste Kreislauf zwischen ihnen und dem Geld.
| Seite | Wenn sie hoch ist | Nächster Verwandter in der Forschung | Passende Typen im Test |
|---|---|---|---|
| Kaufimpuls | Limitiert oder Gratisversand: Bestellung raus | Zahlungsschmerz niedrig | Team Gönn-dir, Nur-noch-3-Stück-Effekt |
| Spargewohnheit | Erst zurücklegen, dann ausgeben | Zurückhalten und Zeit, Geldwachsamkeit | Eichhörnchen, Schrebergärtner |
| Risikoappetit | Wagt viel, ergreift Chancen | Risikotoleranz | Alles-oder-nichts-Surfer |
| Geldangst | Abrechnung bleibt ungeöffnet | Finanzangst, Vogel-Strauß-Effekt | Eichhörnchen, Strauß vor dem Kontoauszug |
Das Eichhörnchen taucht bei Sparen und bei Angst auf, und genau dafür sind die zwei Achsen getrennt. Zwei Menschen können gleich fleißig sparen, der eine aus Zuversicht, der andere aus Furcht, und die Stellschrauben unterscheiden sich völlig.
6 Geldtypen im Test: Regeln der Auswertung und Verteilung bei Zufallsantworten
Der Geldpersönlichkeits-Test von Type of You mit 12 Fragen berechnet zuerst vier Werte und prüft dann, welche Seite am stärksten hervorsticht und wie deutlich. Daraus ergibt sich einer der 6 Geldtypen.
Jede Antwort gibt einer oder zwei Seiten Punkte. Wer einen Betrag aufs unantastbare Konto legt, bekommt sie beim Sparen. Wem beim Gesamtbetrag das Herz aussetzt, bekommt sie bei der Geldangst. Die Höchstpunktzahlen der vier Seiten sind verschieden: Sparen hat maximal 28 Punkte, Risiko nur 14. Rohe Prozentwerte lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen. Das Auswertungsprogramm berechnet für jede Seite den Durchschnitt und die Streuung, die bei zufällig gewählten Antworten zu erwarten wären, und prüft, um wie viele Standardabweichungen dein Wert darüber liegt. Die auffälligste Seite muss mindestens 0,6 Standardabweichungen über diesem Wert liegen, um als deutliche Neigung zu zählen. Sonst wirst du Schrebergärtner.
| Typ | Wann er auftritt | Kurzbild |
|---|---|---|
| Eichhörnchen mit Notgroschen | Sparen oder Angst am stärksten, die andere Seite ebenfalls nicht niedrig | Gespart und trotzdem Angst vor dem Winter |
| Team Gönn-dir | Kaufimpuls am stärksten, Sparen hält noch | Großzügig zu sich selbst, aber mit Plan |
| Nur-noch-3-Stück-Effekt | Kaufimpuls am stärksten, Sparen deutlich niedrig | Wird die Stimmung heiß, wird bezahlt |
| Alles-oder-nichts-Surfer | Risiko am stärksten | Andere sparen, du wartest auf die Welle |
| Strauß vor dem Kontoauszug | Angst am stärksten, Sparen niedrig | Nicht hinschauen macht das Herz schwerer |
| Schrebergärtner | Keine Seite sticht hervor, oder viel Sparen bei wenig Angst | Gießt langsam und wartet, bis das Geld wächst |
Damit du dein Ergebnis einordnen kannst, haben wir das Auswertungsprogramm des Tests einmal vollständig durchgerechnet. Dazu wurden alle Antwortkombinationen von 12 Fragen mit je 4 Optionen, also 4 hoch 12 gleich 16.777.216, als gleich wahrscheinlich angenommen und einzeln mit den aktuellen Regeln (Version 3) ausgewertet. Ergebnis: Schrebergärtner 30,5 %, Alles-oder-nichts-Surfer 18,9 %, Strauß 14,9 %, Eichhörnchen 14,8 %, Nur-noch-3-Stück-Effekt 10,5 % und Team Gönn-dir 10,4 %.
Der Schrebergärtner ist am häufigsten, und der Grund verteilt sich auf etwa zwei gleich große Hälften: Bei 15,4 % sticht keine der vier Seiten deutlich hervor, bei 15,1 % ist Sparen am stärksten, aber die Angst nicht hoch. Wer diszipliniert spart und dabei ruhig bleibt, wird also Schrebergärtner und nicht Eichhörnchen. Das Eichhörnchen steht für die Variante „gespart und trotzdem Angst“. Wählt man bei allen 12 Fragen die erste Option (meist die vorsichtigste Antwort), kommt tatsächlich der Schrebergärtner heraus.
Auch der Index der finanziellen Gesundheit im Bericht lässt sich mit derselben Rechnung einordnen. Er gewichtet drei Dinge: wenig Geldsorgen zu 40 %, Rücklagen halten zu 35 % und Ausgeben und Wagen im Gleichtakt zu 25 %. Bei Zufallsantworten liegt der Median bei 62. 57,7 % der Ergebnisse fallen zwischen 60 und 79, nur 1,1 % unter 40 und nur 2,1 % auf 80 oder darüber. Ein Wert um die 60 ist also ein sehr häufiger Platz. Die Unterschiede zwischen den vier Seiten sagen dir mehr als die Gesamtzahl, weil sie zeigen, wo du ansetzen kannst. Das ist die theoretische Verteilung bei Zufallsantworten und keine Verteilung echter Antworten. Sobald genug echte Antworten vorliegen, wird die tatsächliche Verteilung gesondert veröffentlicht.
Woher kommt die Einstellung zu Geld? Meist gelernt, und sie verändert sich
Die Einstellung zu Geld ist überwiegend gelernt. Forschende halten die Kindheit für prägend, die Belege stammen aber bisher vor allem aus klinischen Beobachtungen und Korrelationsstudien.
Klontz u. a. (2011) fassen in ihrem Literaturüberblick eine Annahme von Klontz und Klontz aus dem Jahr 2009 zusammen: Geldskripte bilden sich in der Kindheit, werden in Familien oft von Generation zu Generation weitergegeben, bleiben den Betroffenen meist unbewusst und steuern einen Großteil des finanziellen Verhaltens. Besonders emotionale „Geldschocks“ wie plötzliche Schulden in der Familie oder ein heftiger Streit der Eltern ums Geld hinterlassen Spuren. Das ist eine Annahme; die Studie von 2011 sah nur Zusammenhänge zwischen den Skripten und Variablen wie Alter und Einkommen. Sie fand außerdem, dass Befragte zwischen 18 und 30 bei der Geldvermeidung fast 9 Punkte höher lagen als Befragte zwischen 61 und 80, und die Werte sanken mit dem Alter Stufe für Stufe. Die Autoren vermuten, dass sich die Haltung zu Geld mit der Lebenserfahrung verändert. Für alle, die etwas ändern wollen, ist das eine gute Nachricht. Es handelt sich aber um einen Vergleich verschiedener Altersgruppen zu einem Zeitpunkt, der auch Generationsunterschiede widerspiegeln kann.
Vielen kommen diese Bilder bekannt vor: Das Geld aus der Geburtstagskarte wird von Erwachsenen mit „Das legen wir dir aufs Sparbuch“ eingesammelt. Zu Hause wurde nie über Gehälter gesprochen, und wer fragte, hörte „Über Geld spricht man nicht“. Ältere mahnten, man solle niemandem Geld leihen und nicht zeigen, was man hat. Diese Erfahrungen sind an sich weder gut noch schlecht. Wer aber beim Thema Geld sofort angespannt ist oder beim Gespräch übers Gehalt verlegen wird, findet in der Familie oft eine Spur.

Auch die aktuelle Lage verändert die Einstellung. Bei unsicherem Einkommen, frischem Immobilienkredit oder Krankheit in der Familie steigt die Geldangst ganz selbstverständlich, und in den Experimenten von Shapiro und Burchell (2012) wandten finanziell ängstliche Menschen ihre Aufmerksamkeit eher von Geldthemen ab. Dann hilft es, erst die Aufregung zu senken, damit die Zahlen ankommen. Wie Gefühle Urteile färben, erklärt Emotionale Intelligenz: Definition, Forschung und Training. Und wenn dein Geld oft an ein schlechtes Gewissen beim Neinsagen geht, etwa bei der Sammlung fürs Abschiedsgeschenk im Büro oder wenn Freunde dich um Geld bitten, findet sich im Artikel über die People-Pleaser-Persönlichkeit eine Reihe fertiger Formulierungen.
Unterschiedliche Einstellung zu Geld in der Beziehung: erst Unterschiede zeigen, dann Regeln festlegen
Unterschiedliche Einstellungen zu Geld sind in Beziehungen häufig. Papp u. a. (2009) zeigten in einer Tagebuchstudie, dass Streit ums Geld sich eher wiederholt und schwerer zu einem Ende kommt als Streit über andere Themen. Deshalb lohnt es sich, strukturiert darüber zu reden, bevor ein Streit da ist.
Papp, Cummings und Goeke-Morey (2009) ließen 100 Paare täglich Konflikte zu Hause notieren, insgesamt 748. Geld war nicht das häufigste Streitthema. Im Vergleich zu anderen Themen betraf Streit ums Geld aber mehr Lebensbereiche, war gravierender, kehrte öfter wieder und blieb auch dann häufiger ohne Ergebnis, wenn beide sich mehr Mühe gaben. Dew, Britt und Huston (2012) begleiteten 4.574 US-amerikanische Ehepaare und fanden, dass unter den verschiedenen Konfliktthemen finanzielle Meinungsverschiedenheiten die spätere Scheidung am besten vorhersagten. Weitere Analysen zeigten, dass der Zusammenhang über die Art des Streitens und die Ehezufriedenheit läuft. Das ist eine Korrelationsstudie aus den USA. Sie belegt nicht, dass Reden übers Geld euch trennt. Entscheidend ist das Wie.
Rick, Small und Finkel (2011) untersuchten Ehepaare und fanden, dass Knauser und Verschwender eher einander heiraten, beim Ausgeben ziehen sich Gegensätze also oft an. Je weiter beide bei diesem Punkt auseinanderliegen, desto eher streiten sie ums Geld, und dieser Streit hängt mit einer geringeren Ehezufriedenheit zusammen. Ergänzung ist am Anfang reizvoll, aber mit der Zeit braucht ihr trotzdem Regeln.

Für das Gespräch selbst helfen drei Schritte:
- Seiten vergleichen, nicht Typen. Macht beide den Test und legt die vier Seiten nebeneinander. „Du bist Strauß, ich bin Eichhörnchen“ wird schnell zum Etikett. „Deine Geldangst liegt bei 70, meine bei 40“ führt eher zu konkreten Sorgen.
- Gemeinsames und eigenes Geld trennen. Miete, Nebenkosten, Einkäufe und Geschenke für Feiern kommen auf ein gemeinsames Konto oder in eine gemeinsame Tabelle, und jeder behält einen Betrag zur freien Verfügung, ohne Rechenschaft.
- Einen Betrag festlegen, über den vorher gesprochen wird. Ausgaben darüber werden vor dem Kauf angesprochen. Das ist keine Genehmigung, sondern soll verhindern, dass der andere erst auf dem Kontoauszug davon erfährt.
| Heikles Thema | So kannst du anfangen |
|---|---|
| Geld für die Familie | „Was geben wir jeweils für unsere Familien aus? Schreiben wir die Zahlen erst mal nebeneinander.“ |
| Wer zahlt beim Ausgehen | „Getrennt, abwechselnd oder nach Einkommen?“ |
| Der andere kauft wieder Limitiertes | „Ich will dir nichts vorschreiben, ich will wissen, ob das gemeinsame Budget noch reicht.“ |
| Eine Person will anlegen, die andere fürchtet Verluste | „Legen wir fest, welches Geld Risiko darf und welches nicht.“ |
Wie Menschen mit Geld Zuneigung zeigen, ist verschieden: Für die einen ist Schenken Liebe, für andere ist das Ersparte ein Versprechen. Das lässt sich gut mit dem Artikel über Liebessprachen zusammen lesen. Und wenn du beim Reden über Geld besonders fürchtest, dass dein Gegenüber verstimmt ist, und ständig Bestätigung brauchst, kann auch der ängstliche Bindungsstil mit im Spiel sein.
Die Geldpersönlichkeit verändern: mit der stärksten Seite beginnen
Die Geldpersönlichkeit zu verändern heißt nicht, die eigene Art auszutauschen. Ein Experiment, das zwei Wochen dauert und sich überprüfen lässt, klappt mit der auffälligsten Seite eher als zehn Vorsätze auf einmal.
| Seite | Zwei Wochen lang testen | Woran du merkst, dass es wirkt |
|---|---|---|
| Kaufimpuls hoch | Warenkorb 24 Stunden liegen lassen, Benachrichtigungen der Shops ausschalten | Beim Blick auf den Kontoauszug fragst du seltener „Was ist das?“ |
| Spargewohnheit niedrig | Am Zahltag per Dauerauftrag einen kleinen Betrag zurücklegen | Am Monatsende ist das Geld noch da |
| Risikoappetit hoch | Vor jedem Einsatz den schlimmsten Fall aufschreiben | Du kannst jeden Einsatz begründen |
| Geldangst hoch | Einmal pro Woche 10 Minuten, nur auf den Gesamtbetrag schauen | Deine Angst-Selbsteinschätzung (1 bis 10) sinkt danach |
Dieser Text und der Test dienen dazu, dich selbst besser zu verstehen, und sind keine Anlageberatung. Welcher Fonds, welche Versicherung, ob ein Kredit: Das gehört zu qualifizierten Fachleuten, und ein Vergleich mehrerer Angebote lohnt sich. In diesen Situationen bleib nicht allein damit:
- Schulden, die du nicht mehr bedienen kannst: Die Beratung durch öffentlich geförderte oder gemeinnützige Schuldnerberatungsstellen ist in der Regel kostenlos. Eine Stelle in deiner Nähe findest du über meine-schulden.de. Vorsicht bei Firmen, die gegen Gebühr versprechen, deine Schulden zu „regeln“.
- Jemand lockt dich mit einer Geldanlage, die „garantiert Gewinn bringt“: Prüfe in der Unternehmensdatenbank der BaFin, ob der Anbieter zugelassen ist, und sprich vorher mit einer Person, der du vertraust. Bei Betrugsverdacht wende dich an die Polizei.
- Kaufen oder Wetten hört nicht auf, oder Geldsorgen rauben dir den Schlaf und wirken sich auf Arbeit und Alltag aus: Sprich mit einer Hausärztin, einem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Einen Ersttermin vermittelt die Terminservicestelle unter 116117. Wenn du emotional nicht mehr weiterkannst, ist die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 kostenlos und rund um die Uhr erreichbar.
Wer die eigene Art, mit Geld umzugehen, in einem größeren Persönlichkeitsbild sehen will, findet es bei den Big Five. Und wenn du zuerst wissen möchtest, welche Seite bei dir am stärksten ausschlägt, ist der Geldpersönlichkeits-Test der Einstieg: 12 Fragen, etwa 3 Minuten.
Mach den Test
Häufige Fragen
Was bedeutet Einstellung zu Geld?
Die Einstellung zu Geld umfasst, was jemand über Geld denkt, was er oder sie dabei fühlt und wie im Alltag ausgegeben und gespart wird. In der Forschung heißt das money attitudes oder money beliefs. Den Teil, den man in der Kindheit lernt und oft gar nicht bemerkt, nennen Klontz u. a. Geldskript (money script). Geldpersönlichkeit und Geldtyp sind verwandte Begriffe, die Menschen eher in Gruppen einteilen.
Was ist eine gesunde Einstellung zu Geld?
Die Forschung kennt keine Einheitsantwort. Als Maßstab taugt der Abstand zwischen deinem tatsächlichen und deinem gewünschten Umgang mit Geld. Rick u. a. fanden, dass manche mehr ausgeben, als sie selbst für ideal halten, und andere weniger, weil Bezahlen für sie zu schmerzhaft ist. Beide Abstände belasten. Gesund ist, was deine Ziele trägt und dich ruhig schlafen lässt.
Welche Geldtypen gibt es?
Eine anerkannte Einteilung gibt es nicht. Modelle mit vier oder sieben Typen, die im Netz kursieren, sind leicht zu merken, aber Belege für ihre Gültigkeit fehlen. In der Forschung am häufigsten zitiert sind die vier Geldskripte von Klontz: Vermeidung, Verehrung, Status und Wachsamkeit. Der Test von Type of You sortiert nach Kaufimpuls, Sparen, Risiko und Geldangst in sechs Typen: Eichhörnchen, Team Gönn-dir, Surfer, Strauß, Nur-noch-3-Stück-Effekt und Schrebergärtner.
Kann man seine Einstellung zu Geld ändern?
Ja, langsam. Geldeinstellungen sind überwiegend gelernte Gewohnheiten und Überzeugungen. Klontz u. a. sahen bei Jüngeren höhere Werte für Geldvermeidung als bei Älteren; die Autoren vermuten, dass sich Einstellungen mit der Lebenserfahrung verschieben. Praktisch hilft ein kleines Experiment mit der auffälligsten Seite, etwa den Warenkorb 24 Stunden liegen lassen oder am Zahltag automatisch sparen. Nach zwei Wochen zeigt sich, ob sich Zahlen bewegen.
Trennen sich Paare wegen unterschiedlicher Einstellungen zu Geld?
Nicht zwingend. Streit ums Geld wiederholt sich öfter und wird seltener gelöst, und US-Daten verbinden finanzielle Meinungsverschiedenheiten mit einem höheren Scheidungsrisiko. Der Zusammenhang läuft aber vor allem über die Art des Streitens und die Zufriedenheit in der Ehe. Wichtiger als der Unterschied selbst ist also das Wie: erst die vier Seiten nebeneinanderlegen, gemeinsames und eigenes Geld trennen, große Ausgaben vorher ansprechen.
Wie aussagekräftig ist ein Geldpersönlichkeits-Test?
Der Test von Type of You hat 12 selbst geschriebene Fragen und ist ein Werkzeug zur Selbstreflexion, keine klinische oder finanzielle Beurteilung. Sein Wert liegt darin, Ausgeben, Sparen, Risiko und Geldangst getrennt zu betrachten. Der Typ fasst vier Werte zusammen: Schau erst auf die vier Seiten, dann auf den Namen. Für Geldentscheidungen brauchst du zusätzlich fachlichen Rat.
Quellen
- Money Beliefs and Financial Behaviors: Development of the Klontz Money Script Inventory · Journal of Financial Therapy (Klontz, Britt, Mentzer & Klontz) · 2011 · doi.org
- Tightwads and Spendthrifts · Journal of Consumer Research (Rick, Cryder & Loewenstein) · 2008 · doi.org
- The Development of a Money Attitude Scale · Journal of Personality Assessment (Yamauchi & Templer) · 1982 · doi.org
11 weitere anzeigenWeniger anzeigen
- Many sides of the coin: The psychology of money usage · Personality and Individual Differences (Furnham) · 1984 · doi.org
- Fatal (Fiscal) Attraction: Spendthrifts and Tightwads in Marriage · Journal of Marketing Research (Rick, Small & Finkel) · 2011 · doi.org
- Financial risk tolerance revisited: The development of a risk assessment instrument · Financial Services Review (Grable & Lytton) · 1999 · doi.org
- Measuring financial anxiety · Journal of Neuroscience, Psychology, and Economics (Shapiro & Burchell) · 2012 · doi.org
- The ostrich effect: Selective attention to information · Journal of Risk and Uncertainty (Karlsson, Loewenstein & Seppi) · 2009 · doi.org
- For Richer, for Poorer: Money as a Topic of Marital Conflict in the Home · Family Relations (Papp, Cummings & Goeke-Morey) · 2009 · doi.org
- Examining the Relationship Between Financial Issues and Divorce · Family Relations (Dew, Britt & Huston) · 2012 · doi.org
- meine-schulden.de: Infoportal zu Schulden und Schuldnerberatung, mit Beratungsstellensuche · Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V. · 2026 · www.meine-schulden.de
- Verbraucherinnen und Verbraucher: Unternehmensdatenbank, Warnungen und Anlagebetrug · Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) · 2026 · www.bafin.de
- TelefonSeelsorge Deutschland: kostenlose Beratung rund um die Uhr · TelefonSeelsorge Deutschland · 2026 · www.telefonseelsorge.de
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016, rund um die Uhr, kostenlos und anonym · Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben · 2026 · www.hilfetelefon.de
Zum Weiterlesen
Überblick5 Sprachen der Liebe: Bedeutung und was die Forschung sagt
Die 5 Sprachen der Liebe (Liebessprachen) nach Gary Chapman: Worte, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfe, Nähe. Mit Beispielen, Forschungsstand und Gesprächsplan.
ÜberblickBig Five: Die 5 Persönlichkeitsmerkmale und dein Ergebnis
Big Five einfach erklärt: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Was die Forschung sagt und wie du dein Ergebnis liest.
ÜberblickPeople Pleaser: 4 Merkmale, Ursachen und Wege zum Nein
People Pleaser stellen die Wünsche anderer über die eigenen. Vier Merkmale, Ursachen, Fawn-Reaktion, Unterschied zu Freundlichkeit und Übungen fürs Neinsagen.
ÜberblickEmotionale Intelligenz: 5 Bereiche, Studien und Training
Emotionale Intelligenz heißt, Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu steuern. Fünf Bereiche, was Studien zu EQ und IQ sagen und wie man Werte liest.

Ängstlicher Bindungsstil: Merkmale, Ursachen und Selbsthilfe
Ein ängstlicher Bindungsstil ist die Tendenz, in Beziehungen das Verlassenwerden zu fürchten. Was die Forschung sagt und was bei „gelesen“ ohne Antwort hilft.